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Wissenswertes über Alzheimer

1. Alzheimer - Ursachen

Dr. med. Patrick Bussfeld

Ablagerungen in den Gehirnzellen

Die Alzheimer-Krankheit beginnt meist schon mehrere Jahrzehnte, bevor die ersten Symptome auftreten. Dabei entstehen im Gehirn Ablagerungen aus Eiweißbruchstücken, sogenannte Amyloide, die sich zu Plaques zusammenlagern. Außerdem entstehen innnerhalb der Nervenzellen Bündel aus veränderten sogenannten Tau-Proteinen.
Im Laufe der Zeit sterben bei Alzheimer die Nervenzellen vor allem in den Regionen des Gehirns ab, die an der Entwicklung von Gedächtnis, Sprache und Denkfähigkeit beteiligt sind. Ob die Ablagerungen die Ursache oder eine Begleiterscheinung des Zelltodes darstellen, ist bisher nicht geklärt. Ebenso ist die eigentliche Ursache des Alzheimer-Leidens noch immer unbekannt. Vieles deutet darauf hin, dass es mehrere Auslöser gibt.

Erbliche Faktoren

Nur in Ausnahmefällen lösen Genveränderungen eine Alzheimer-Krankheit aus: Dann bricht die Demenz schon in jüngerem Alter aus. Dies kann zum Beispiel passieren, wenn die Erbinformation des Amyloid-Vorläufer-Proteins (APP) geschädigt ist. Es bilden sich vermehrt schädliche Spaltprodukte von APP, die den Hauptanteil der Plaques bilden. Ähnlich wirken sich Veränderungen anderer Gene aus, der Präseniline. Sie erhöhen die Aktivität von Schneidemolekülen, die das APP in seine krankmachenden Bestandteile zerlegen, und beschleunigen deshalb ebenfalls die Klumpenbildung im Gehirn und somit Alzheimer.

Der wichtigste genetische Risikofaktor bei Alzheimer ist ein Molekül (ApoE), welches am Transport von Cholesterin im Blut beteiligt ist. Die Erbinformation für ApoE kommt in drei Varianten vor. Eine Variante (ApoE4) erhöht das Krankheitsrisiko von Alzheimer um etwa das Zwei- bis Dreifache, eine andere Variante (ApoE2) senkt das Risiko. Ein Bluttest könnte zwar klären, welche dieser Genvarianten ein Mensch in sich trägt. Ärzte- und Patientenverbände empfehlen diesen Test jedoch nur, um die Sicherheit der Diagnose bei schon bestehenden Gedächtniseinbußen zu erhöhen. Diese Untersuchung bei Alzheimer-Betroffenen oder ihren Verwandten kommt dann in Betracht, wenn ein bestimmtes Vererbungsmuster vorliegt.

2. Alzheimer - Symptome

Dr. med. Patrick Bussfeld

Nicht nur das Gedächtnis

Die Alzheimer-Erkrankung verläuft in mehreren Stadien, die fließend ineinander übergehen können. Eine Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses ist häufig das erste Symptom. Demgegenüber sind die Erinnerungen an die Jugend (biografisches Gedächtnis) oft noch lange Zeit sehr präsent.
Konzentrationsfähigkeit und Denkleistung lassen nach, Sprachstörungen treten auf, die Müdigkeit nimmt zu. Häufig treten in der Anfangsphase der Alzheimer-Erkrankung Symptome einer Depression auf. Vor allem diejenigen, die den Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit an sich bemerken, reagieren oft frustriert und niedergeschlagen.
Alzheimer führt später zu Verhaltensänderungen wie Verwirrtheit, Angst, Unruhe und Aggressivität. Den Betroffenen fällt es zunehmend schwer, Dinge und Personen wiederzuerkennen; sie "leben in der Vergangenheit". Alltagsfähigkeiten wie Ankleiden, Essenszubereitung oder Einkaufen können sie nicht mehr bewältigen, schließlich verlieren sie die Kontrolle über ihre Körperfunktionen. Im Endstadium von Alzheimer verstummen die Patienten häufig, sind bettlägerig und völlig auf die Hilfe anderer angewiesen.

Typische Alzheimer-Symptome sind:

  • Störungen des Kurzzeitgedächtnisses
  • Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Alltagsaktivitäten (Einkaufen, Kochen, Urlaub planen)
  • Denkschwierigkeiten
  • Orientierungslosigkeit
  • Sprachstörungen
  • Depressionen
  • Rasch wechselnde Stimmungslage (Affektlabilität)
  • Eingeschränktes Urteilsvermögen
  • Wahnvorstellungen
  • Persönlichkeitsveränderungen
Demgegenüber bleiben bei Alzheimer Kraft, Beweglichkeit und Bewegungskoordination sowie Gangsicherheit lange Zeit erhalten. Frühe Einbußen in diesen Bereichen lassen eher auf eine vaskuläre Demenz oder eine Lewy-Körperchen-Demenz schließen.

3. Alzheimer - Diagnose

Dr. med. Patrick Bussfeld

Nach behandelbaren Ursachen suchen

In der Praxis kommt es bei Alzheimer darauf an, frühzeitig eine möglichst verlässliche Diagnose zu stellen. Dabei wird der Arzt den Betroffenen und am besten auch dessen Angehörige zunächst nach der Krankheitsgeschichte befragen und anschließend verschiedene körperliche und technische Untersuchungen durchführen. Diese dienen vor allem dazu, andere internistische, neurologische und psychiatrische Erkrankungen auszuschließen. Denn einige davon sind deutlich besser behandelbar als die Demenz vom Alzheimer-Typ.

Gedächtnissprechstunden, Memory-Kliniken, geronto-psychiatrische Abteilungen und ähnliche Spezialeinrichtungen sind auf die Diagnose von Alzheimer-Demenz spezialisiert. Die Diagnose ist relativ sicher und trifft in 80 Prozent der Fälle zu. Spezielle Untersuchungen der Hirndurchblutung oder des Hirnstoffwechsels lassen meist eine noch genauere Aussage zu. Mit letzter Sicherheit kann Alzheimer jedoch erst nach dem Tod eines Patienten festgestellt werden, wenn im Gehirn die typischen Ablagerungen zu finden sind.

Laborkontrolle und Bildgebung

Neben der Untersuchung des Blutes und des Nervenwassers (Liquor) gehört über einem Alter von 50 Jahren ein Elektrokardiogramm (EKG) zur Basisdiagnostik der Alzheimer-Erkrankung. In einigen Fällen kann als ergänzende Maßnahme auch eine Ultraschall-Untersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße durchgeführt werden.
Eine Abbildung des Gehirns kann mit Hilfe der Computer-Tomografie (CT) oder der Kernspin-Tomografie (MRT) erstellt werden. Die Magnetresonanz-Tomografie zeigt einige Veränderungen im Gehirn wesentlich deutlicher als die Computer-Tomografie.

Eine Darstellung der Hirnströme mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) kann zwar durchgeführt werden, zeigt jedoch meistens nur unspezifische Veränderungen, die nicht beweiskräftig für eine Alzheimer-Demenz sind. Mit dem EEG lassen sich allerdings Hinweise auf andere Erkrankungen finden, die auch zu einem geistigen Abbau führen wie die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Weitere Methoden zur Diagnose von Alzheimer sind die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) sowie, gemäß neuer Leitlinien, auch Untersuchungen der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor-Untersuchungen). Bei den neuen Diagnosekriterien spielen sogenannte Biomarker eine wichtige Rolle.

Die aktuellen Kriterien unterscheiden eine klinische Alzheimer-Manifestation (AD-C), die sich nach den Symptomen richtet, und eine sogenannte pathophysiologische Alzheimer-Manifestation (AD-P), die auf dem Nachweis beziehungsweise typischen Veränderungen von Biomarkern in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) und in bildgebenden Verfahren (wie der PET oder der MRT) beruht.

Wichtige Alzheimer-Biomarker sind:
  • das Tau-Protein: ein Biomarker, der auf einen Abbau von Nervengewebe (Neurodegeneration) hinweist; erkennbar z.B. an einem Anstieg des Tau-Proteins im Liquor
  • Amyloid-beta 42: Ein für Alzheimer bedeutsames Protein; Hinweise auf Alzheimer sind ein erniedrigtes Amyloid-beta 42 im Liquor sowie ein Amyloid-beta 42-Nachweis in der PET
Alzheimer wird nach den neuen Kriterien in drei Phasen unterteilt:
  1. Präklinische Alzheimer-Erkrankung: Nachweis von Amyloid-beta 42-Biomarkern, jedoch keine erkennbaren Alzheimer-Symptome; ggf. leichte Einbußen der geistigen Fähigkeiten
  2. Prodromale Alzheimer-Erkrankung: Nachweis von Biomarkern, die auf einen Abbau von Nervengewebe (Neurodegeneration) hindeuten; zusätzlich milde Symptome, jedoch noch keine Beeinträchtigung bei alltäglichen Verrichtungen
  3. Manifeste Alzheimer-Erkrankung (typisch, atypisch, gemischt): Zusätzlich zum Nachweis von Biomarkern deutliche Beeinträchtigung durch die Alzheimer-Erkrankung im Alltag.
In der präklinischen und prodromalen Phase von Alzheimer hat diese Einteilung keine Auswirkung auf die Behandlung. Sie dient vielmehr der frühzeitigen Erkennung von Menschen mit einem hohen Risiko für eine manifeste Alzheimer-Erkrankung.

Hirnleistung praktisch prüfen

Unverzichtbar für die Diagnose Alzheimer sind neuropsychologische Tests. Mit einem kurzen Leistungstest kann der Arzt durch wenige Fragen und Zeichnungen die geistige Leistungsfähigkeit einschätzen. Dazu zählen zum Beispiel:
  • Mini-Mental-Status-Test (MMST)
  • Demenz-Detections-Test (DemTect)
  • Uhrzeit-Zeichnen-Test (UZT)
Am häufigsten wird der Mini-Mental-Status-Test (MMST) eingesetzt, der etwa zehn Minuten dauert. Die betroffene Person muss dabei Wörter behalten, rechnen, zeichnen und einfache Anweisungen befolgen. Beim nächsten Besuch kann der Test wiederholt werden, wobei der Vergleich der erzielten Werte einen Anhaltspunkt liefert, ob sich der Zustand des Patienten gebessert oder verschlechtert hat.
Sehr aussagekräftig ist auch der Uhrentest, bei dem es gilt, ein Zifferblatt zu zeichnen. Darin muss der Untersuchte eine bestimmte Uhrzeit einzeichnen. Ausführlichere Tests sind vor allem in sehr frühen Stadien und unklaren Fällen notwendig und sollten dann von speziell dafür ausgebildeten Neuropsychologen durchgeführt werden.

Basis für gemeinsame Entscheidungen

Obwohl es derzeit keine Aussicht auf Heilung gibt, kann die Diagnose Alzheimer für viele Betroffene und Angehörige auch entlastend wirken, weil sie eine Zeit quälender Unsicherheit beendet. Nun kann gemeinsam über praktische Vorsorgemaßnahmen entschieden werden. Mit dem Wissen um die Ursachen lassen sich die anstehenden Veränderungen leichter bewältigen. Eine möglichst frühe Diagnose ist aber auch deshalb sinnvoll, weil die heute verfügbaren Medikamente zu Beginn der Krankheit am besten wirken. Die Behandlungsmethoden für fortgeschrittenere Stadien sind weniger wirksam.

4. Alzheimer - Therapie

Dr. med. Patrick Bussfeld

Alltagskompetenz erhalten

Eine Heilung der Alzheimer-Krankheit ist derzeit nicht möglich. Trotzdem muss man dem geistigen Zerfall nicht tatenlos zuschauen. Je früher die Alzheimer-Krankheit erkannt und behandelt wird, desto höher ist die Chance, den Krankheitsprozess zu verlangsamen. Jedoch lässt sich nach bisherigem Wissensstand auch mit der effektivsten Therapie der Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit nur verzögern, aber nicht heilen.
Alzheimer ist eine ständig fortschreitende Erkrankung. Als Erfolg muss deshalb bereits gewertet werden, wenn sich der Zustand der Patienten nicht verschlechtert oder wenn der geistige Verfall verlangsamt wird. Medikamente, die das Absterben der Nervenzellen verhindern können, gibt es bisher noch nicht.
Ziel der Bemühungen ist es, die Alltagskompetenz der Betroffenen möglichst lange zu erhalten. Dazu werden hauptsächlich Medikamente eingesetzt, aber auch begleitende nicht-medikamentöse Therapien: Bewegung unter physiotherapeutischer Anleitung kann ebenso anregend sein wie die systematische Nutzung erhaltener handwerklicher und künstlerischer Fähigkeiten (Ergotherapie). Sinnvoll sind auch spezielle Behandlungsformen, wie sie von Psychologen und Sozialarbeitern in Gedächtniskliniken angeboten werden. Voraussetzung einer solchen Behandlung ist, dass sie den Betroffenen fördern und nicht überfordern.

Die Therapie von Alzheimer bedarf viel Erfahrung. Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene in speziellen Instituten und von erfahrenen Fachärzten (Neurologen, Psychiater, Gerontologen) behandelt werden. Regelmäßige Untersuchungen sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Sie dienen dazu, den Krankheitsverlauf zu beurteilen und die Therapie jeweils anzupassen. Wird der Patient zu Hause betreut, gehört neben der Behandlung des Erkrankten auch eine entsprechende Aufklärung und Schulung der Angehörigen zum Therapiekonzept.

Medikamentöse Therapie

Die vielversprechendsten Medikamente für die beginnende Alzheimer-Krankheit sind zur Zeit die Acetylcholinesterase-Hemmer. Diese Arzneien helfen, den Signalaustausch zwischen den überlebenden Nervenzellen zu verbessern. Sie steigern die Verfügbarkeit des Signalstoffs Acetylcholin, indem sie das Enzym Acetylcholinesterase blockieren, das im normalen Gehirnstoffwechsel das Acetylcholin abbaut. Diese Substanzklasse ist jedoch nur in frühen und mittleren Stadien der Erkrankung zugelassen.
Für die moderate bis schwere Demenz stehen NMDA-Antagonisten (Memantine) zur Verfügung. Sie verhindern die Nervenüberreizung durch den Botenstoff Glutamat. Ein Zuviel dieses Botenstoffes schädigt die Nervenzellen und lässt sie zugrunde gehen. Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass Memantine die alltagspraktischen Fähigkeiten, die kognitive Leistungsfähigkeit sowie das Krankheitsstadium positiv beeinflussen kann.
Acetylcholinesterase-Hemmer und Memantine sind die einzigen Wirkstoffgruppen, die gegen den geistigen Abbau empfohlen werden. Sie können im Einzelfall auch kombiniert werden. Ein Behandlungsversuch lohnt sich, auch wenn er vielleicht nicht zu deutlichen Veränderungen führt. Da die Alzheimer-Demenz laufend fortschreitet, ist auch ein Stillstand der Erkrankung bereits ein Behandlungserfolg.

Umstrittene Pillen

Es gibt eine Reihe von anderen Medikamenten, die auf unterschiedliche, oft auch nicht genau bekannte Art die Gehirnleistungen verbessern sollen, aber kein Bestandteil der Therapie bei Alzheimer sind. So sollen Extrakte des Ginkgo-Baums das Gehirn besser mit Sauerstoff und Glucose (Zucker) versorgen, indem sie die Durchblutung fördern. Die Wirksamkeit von Gingko-Präparaten ist wissenschaftlich jedoch nicht bewiesen. Experten empfehlen diese Medikamente deshalb nicht.

Kalzium-Antagonisten sollen den gestörten Kalzium-Stoffwechsel der Nervenzellen normalisieren und dadurch die Weiterleitung von Informationen verbessern. Huperzine A ist eine Substanz, die aus einem seit langem in der chinesischen Volksmedizin verwendeten Moos gewonnen wird und ein Hirn-Enzym blockiert, das an der Alzheimer-Krankheit beteiligt ist. Die Wirksamkeit dieser natürlichen Substanz wird in Studien untersucht. Die Wirksamkeit von Vitamin E ist nicht bewiesen. In Studien führte Vitamin E zudem vermehrt zu Herz-Kreislauf-Komplikationen. Manchmal sind zusätzlich Medikamente gegen Inkontinenz, Unruhe oder Schlafstörungen, gegen parkinsonähnliche Bewegungsstörungen oder Depressionen notwendig. Dabei ist immer darauf zu achten, dass die Begleitmedikamente nicht die labile Hirnfunktion zusätzlich beeinträchtigen.
Weiterhin untersuchen Wissenschaftler, ob Medikamente, die den Cholesterinspiegel senken, HMG-CoA-Reduktasehemmer oder Statine genannt, einen positiven Einfluss auf die Erkrankung haben. Hintergrund ist, dass Statine auch einen anti-entzündlichen Effekt haben und bei der Alzheimer-Erkrankung Entzündungsprozesse einen entscheidenden Einfluss haben. Ebenfalls geprüft wird die Wirkung von Nicht-Steroidalen-Antientzündlichen-Medikamenten (NSAID) auf Alzheimer. Wissenschaftler versuchen zudem, eine Impfung gegen Alzheimer zu entwickeln. Die Forschungen auf diesen Gebieten dauern jedoch noch an.

5. Alzheimer - Prognose

Dr. med. Patrick Bussfeld

Stetiger Abbau

Eine Alzheimer -Erkrankung wird häufig erst nach ein bis drei Jahren diagnostiziert. Vom Zeitpunkt der Diagnose an leben die meisten Patienten noch etwa sieben Jahre, in abweichenden Fällen aber auch kürzer oder schon mal bis zu 20 Jahre.
Je früher im Leben die Krankheit einsetzt, desto schneller ist meistens auch ihr Verlauf. Nur ungefähr fünf Prozent der Alzheimer-Erkrankungen sind erblich bedingt. Auch in diesen Fällen schreitet die Erkrankung rascher voran.
Mit Medikamenten und anderen Therapiemaßnahmen sowie bewusster, liebevoller Zuwendung und Aktivierung kann diese Entwicklung in einigen Fällen verlangsamt werden. Gelegentlich kommt es dabei auch zu einer vorübergehenden Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit.
Früher oder später werden jedoch alle Menschen mit Alzheimer pflegebedürftig, was für die Angehörigen eine hohe psychische Belastung darstellt. Spezielle Schulungen oder Angehörigen-Selbsthilfegruppen können den Pflegenden helfen, mit der Situation besser umzugehen.

6. Alzheimer - Vorbeugen

Dr. med. Patrick Bussfeld

Keine anerkannte Prophylaxe

Offizielle Empfehlungen zur Vorbeugung gibt es nicht. Aus großen epidemiologischen Untersuchungen ist bekannt, dass Frauen, die über viele Jahre eine Hormonersatztherapie mit Östrogenen erhalten haben, seltener an Alzheimer erkranken. Wegen der erhöhten Herzinfarkt-, Schlaganfall- und Thromboserate empfehlen Experten Östrogene aber nicht zur Vorbeugung gegen Alzheimer-Demenz. Der vorbeugende Effekt von Langzeittherapien mit Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure oder ähnlichen entzündungshemmenden Medikamenten wurde untersucht. Bisher ergab aber keine Studien eine nachweisbare Wirkung. Dies gilt ebenso für hohe Dosen von Vitamin E und anderen Antioxidanzien, die schädliche Stoffwechselprodukte (Radikale) abfangen können. Schließlich gibt es Studien, die darauf hindeuten, dass geistig rege Menschen die Folgen der Alzheimer-Krankheit länger kompensieren können als andere. Auch eine ausgewogene, fettarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie vielen ungesättigten Fettsäuren (Pflanzenöle, Fisch) sowie die konsequente Behandlung von bestehendem Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit) können möglicherweise das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, senken. Wissenschafler versuchen seit einigen Jahren, eine Impfung gegen Alzheimer zu entwickeln, die Forschungsarbeiten dauern jedoch noch an.

7. Alzheimer - Tipps für Angehörige

Dr. med. Johannes Pichler, Facharzt für Neurologie

Umgang mit Alzheimer-Kranken

Es gibt keine Patentrezepte für den Umgang mit Alzheimer-Betroffenen. Einige Verhaltensregeln haben sich jedoch sich in vielen Familien bewährt und das Leben vereinfachen. Sie beziehen sich vor allem auf frühe Krankheitsstadien.
Zehn Punkte, auf die Sie beim Zusammenleben mit einem Alzheimer-Patienten achten sollten:
1. Information
Informieren Sie sich gründlich über das Thema Alzheimer. Was sind die Ursachen der Krankheit? In welchen Stadien verläuft sie? Welche Vorkehrungen sollten Sie in Ihrer Wohnung treffen, um Unfälle zu verhindern? Je mehr Sie über die Erkrankung wissen, desto sicherer sind Sie im Umgang mit dem Erkrankten.
Hilfreich sind hier unter anderem die Ratgeber und Broschüren der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V., die Sie unter www.alzheimer-forschung.de oder www.deutsche-alzheimer.de abrufen können.
2. Akzeptanz
Versuchen Sie nicht mit allen Mitteln, auf den Betroffenen einzuwirken und ihn zu ändern. Gegen Alzheimer haben Sie keine Chance. Nehmen Sie den Erkrankten so an wie er ist. Durch die Veränderungen in seiner geistigen Leistungsfähigkeit und Wahrnehmung lebt der Betroffene mehr und mehr in seiner eigenen Welt.
3. Eigenständigkeit
Halten Sie die Eigenständigkeit des Erkrankten so weit und so lange wie möglich aufrecht. Geben Sie Ihrem Angehörigen ein Maximum an Sicherheit, aber lassen Sie ihn auch gewähren und genießen. Für sein Selbstwertgefühl braucht er eigene Erlebnis- und Aktivitätsräume. Sichern Sie mögliche Gefahrenquellen wie Gas- oder Elektrogeräte, Treppen und glatte Badewannen.
Bedenken Sie außerdem: Leben ist immer mit Risiko verbunden. Finden Sie einen vernünftigen Kompromiss zwischen Sicherheit und Freiheit.
4. Kontinuität und Tagesstruktur
Behalten Sie liebe Gewohnheiten bei. Vertraute Menschen, Dinge und Erinnerungsstücke an die gemeinsame Vergangenheit sind für Demenz-Kranke wichtiger als die Gegenwart, in der sie sich nicht mehr zurechtfinden. Besonders wichtig ist eine klare Tagesstruktur: Alzheimer-Patienten finden sich besser zurecht, wenn sie zu regelmäßigen Zeiten morgens aufstehen und abends zu Bett gehen. Die Mahlzeiten sollten möglichst jeden Tag zur selben Zeit eingenommen werden. Ebenso empfehlenswert ist ein täglicher Spaziergang zu selben Zeit oder ein Besuch bei Freunden.
Das richtige Maß an Aktivität und Pausen gibt dem Tag eine Struktur, die das Vor-sich-hin-Dösen aus Langeweile verhindert. Denn das gäbe den Nervenzellen nur die Information: Kein Grund, sich anzustrengen.
5. Einfachheit, Klarheit
Alzheimer-Patienten brauchen eine einfache, überschaubare und unkomplizierte Umwelt. Bringen Sie in der Wohnung Hinweisschilder, farbige Kennzeichnungen und gut lesbare Uhren an. Sorgen Sie für ausreichende Beleuchtung in allen Räumen.
Schreiben Sie wichtige Mitteilungen nur in kurzen, verständlichen Sätzen. Verzichten Sie auf abstrakte Begriffe.
Gestalten Sie die Räume frei und offen, ohne verwirrende optische Reize.
6. Blicke, Gesten und Berührungen
Suchen Sie den emotionalen Kontakt über Blicke, Gesten und Berührungen. Versuchen Sie ohne Worte zu kommunizieren, wenn die sprachliche Verständigung immer schwieriger wird. Sie vermitteln so das Erlebnis von Nähe zwischen zwei Menschen und fördern die Speicherung von Informationen im Gehirn. Jede Information, die mit Gefühlen einhergeht, wird besser behalten.
7. Keine Verbote
Demenz-Kranke stoßen oft an Grenzen und Ablehnungen, die sie kränken und nur schwer zu verarbeiten sind. Schlagen Sie Alternativen vor, statt Nein zu sagen. Dabei ist Ihre Fantasie gefragt.
8. Mut zum Streit
Kleinere Auseinandersetzungen mit Demenzkranken sind nicht unbedingt gefährlich. In ihnen drücken sich auch Lebendigkeit und intensive Empfindungen aus. Aber: Vermeiden Sie unsinnige Wortgefechte. Lösen Sie Konflikte durch Ablenkung und Zuwendung.
9. Gelassenheit
Reagieren Sie gelassen auf Ängstlichkeit oder Aggressivität Ihres Angehörigen und nehmen Sie sie nicht persönlich. Meistens sind die Betroffenen nur ratlos oder verunsichert - und wollen Sie keinesfalls schikanieren.
10. Vergessen Sie nicht sich selbst
Haushalten Sie mit Ihren Kräften. Wenn Sie sich Erholungspausen verschaffen oder Ihren eigenen Interessen nachgehen, ist das kein Grund für Schuldgefühle. Nur, wenn Sie sich selbst wertschätzen und pflegen, haben Sie ausreichend Energie, um Ihre Angehörigen auch über einen längeren Zeitraum versorgen zu können.
Holen Sie sich Hilfe von außen. Das ist kein Eingeständnis von Unzulänglichkeit und Hilflosigkeit. Gespräche mit anderen Angehörigen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen, geben Anregungen und neuen Mut.

Quelle: Netdoktor.de