Presseinformationen der Alzheimer Gesellschaft Sachsen e.V.
29.09.2011 - Zahl der Demenzkranken steigt in Sachsen rapide
Alzheimer-Gesellschaft erwartet Anstieg um 50 Prozent bis 2025 Leipzig.
Trotz der sinkenden Bevölkerungszahl wird es 2025 in Sachsen mindestens 100 000 Demenzkranke geben und damit etwa 50 Prozent mehr als heute. Damit rechnet die Alzheimer- Gesellschaft. Sie fordert deshalb einen Ausbau der ambulanten Betreuung. Sonst lande ein großer Teil der Betroffenen im Pflegeheim.
2010 waren in Sachsen rund 76 300 Menschen an Demenz erkrankt, etwa 4470 oder 6,2 Prozent mehr als 2008. In Leipzig stieg die Zahl um etwa 480 oder knapp sechs Prozent auf 8575 und in Dresden um 550 oder fast sieben Prozent auf 8435. Ähnlich war die Entwicklung in den Landkreisen. Im Leipziger Land lebten 2010 rund 4620 Betroffene (plus 7,4 Prozent seit 2008), in Nordsachsen 3500 (plus 6,6 Prozent), in Mittelsachsen 6436 (plus 5,6 Prozent), in Meißen 4733 (plus 7,3 Prozent) und im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 4722 (plus 6,3 Prozent). Das geht aus dem Demenzatlas 2011 hervor, den die Alzheimer Gesellschaft Sachsen gestern in Leipzig vorstellte. Die Daten basieren auf Hochrechungen. Die tatsächliche Zahl könnte noch höher sein, da die Krankheit nicht immer sofort erkannt wird. "Es gibt eine Dunkelziffer", sagte Knut Bräunlich, der Vorsitzende der Gesellschaft.
Der Verein erwartet einen weiteren Anstieg der Fallzahlen. Allein in der Altersgruppe der Menschen über 80 Jahre werde es 2025 in Sachsen mehr als 63 200 Demenzkranke geben und damit doppelt so viele wie heute. Insgesamt rechnet Bräunlich in 14 Jahren mit mindestens 100 000 Betroffenen im Freistaat. "Es wird einen dramatischen Anstieg geben." Ursache ist auch die demografische Entwicklung: Sachsens Einwohnerzahl sinkt bis 2025 zwar um 0,5 Millionen auf 3,7 Millionen, schätzt das Landesamt für Statistik. Gleichzeitig steigt aber der Anteil der Menschen über 65 Jahre von 25 auf 30 Prozent, und mit dem Alter nimmt auch die Zahl der Demenzkranken zu.
Angesichts der Prognose forderte Bräunlich einen Ausbau der Betreuungsangebote. "Wir brauchen Menschen, die die Pflege übernehmen." Die meisten Demenzkranken wollten daheim bleiben und nicht in ein Heim umziehen. Die Angehörigen wären aber irgendwann am Ende ihrer Kräfte, wenn sie auf sich allein gestellt blieben. "Demenz ist in Heimen heute schon der Hauptaufnahmegrund."
Quelle: LVZ vom 29.09.2011, Seite 1
Weitere Artikel zum Thema:
- Demenz-Rate in Sachsen steigt (pdf, Freie Presse vom 29.09.2011, Seite 1)
- Nette Nachbarn und viele Zettel (pdf, Freie Presse vom 29.09.2011, Seite 3)
- Leitartikel: Alarmierende Zahlen (pdf, Freie Presse vom 29.09.2011, Seite 4)
- Leitartikel: Herausforderung Demenz (pdf, LVZ vom 29.09.2011, Seite 1)
- Im Gehirn wird Netzwerk zerstört (pdf, LVZ vom 29.09.2011, Seite 26 ohne Foto)
- Akuter Anstieg der Pflegefälle (pdf, LVZ vom 28.09.2011, Seite 4 ohne Grafik)
- Der Frust der Altenpfleger (pdf, LVZ vom 28.09.2011, Seite 7)
15.06.2011 - Forscher kommen Alzheimer auf die Spur
Mittel zu Früherkennung der Demenz-Erkrankung gefunden
Leipzig - Wissenschaftler der Leipziger Universität sind nach eigenen Angaben einen großen Schritt bei der Früherkennung von Alzheimer-Demenz vorangekommen. Mit Erfolg sei ein Mittel getestet worden, um die Krankheit schon 10 bis 15 Jahre vor ihrem Ausbruch festzustellen, teilte die Universität gestern mit. Bisher sei die Diagnose nur anhand klinischer Tests möglich gewesen, zum Beispiel zur Gedächtnisleistung.
Bei den Tests der Wissenschaftler wurde 89 Alzheimer-Patienten und 69 Gesunden die schwach radioaktive Marker-Substanz Florbetaben in den Arm gespritzt. Mit ihrer Hilfe kann im Gehirn mittels eines Tomografen das Eiweiß Beta-Amyloid nachgewiesen werden, das als Auslöser von Alzheimer gilt. Der Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum, Osama Sabri, bezeichnete die Erkenntnisse als "gravierende Verbesserung der Alzheimer-Diagnostik".
Das Pharma-Unternehmen Bayer hatte die Forschungen in Auftrag gegeben. Unter Leipziger Regie waren daran auch Experten aus den USA, Australien und der Schweiz beteiligt. Die derzeitige Diagnose von Alzheimer-Demenz mit klinischen Tests ist den Angaben zufolge nicht immer treffsicher. "In 20 bis 30 Prozent der Fälle ist die Diagnose falsch, etwa weil eine andere Art der Demenz vorliegt", sagte Privatdozent Henryk Barthel von der Klinik für Nuklearmedizin.
Mit dem neuen Verfahren sei dagegen eine hohe Genauigkeit bei der Unterscheidung von gesunden und Alzheimer-Patienten erzielt worden. Dies sei die Voraussetzung, um die Methode künftig in Kliniken einzusetzen, erklärte Barthel. Bislang könne Alzheimer nicht geheilt werden. In Deutschland leiden rund 1,2 Millionen Menschen an Demenz-Erkrankungen, ein Großteil von ihnen an Alzheimer. (epd/dapd)
10.06.2011 - Sachsen: Antrag auf Pflegeberatung abgelehnt
"Vernetzte Strukturen verhindert"
Dresden. "In der Sitzung des Ausschusses für Soziales und Verbraucherschutz des Sächsischen Landtages haben die Regierungsfraktionen CDU und FDP mit der Ablehnung eines Änderungsantrages der SPD-Fraktion Verbesserungen in der Pflegeberatung in Sachsen verhindert", so die SPD im sächsischen Landtag.
Sie hatte gefordert, bis Ende des Jahres ein Konzept vorzulegen, welches sicherstellt, dass in jeder Region Sachsens vernetzte Beratungs- und Pflegestrukturen vorhanden sind. Dieser Antrag wurde von CDU und FDP abgelehnt.
"Die Bürger haben ein Anspruch auf ein individuelles Fallmanagement, das sie möglichst unabhängig durch eine schwierige Lebenslage führt. Umso unverständlicher ist es, dass die Abgeordneten der Regierungsfraktion nicht zur Vernunft gekommen sind und unseren Antrag ablehnten. Ein soziales Sachsen sieht anders aus", so die SPD.
10.06.2011 - Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) und Demenz
Demente werden kaum im Sterbeprozess begleitet
Köln. Die Versorgung sterbender Menschen mit Demenz muss dringend verbessert werden. So die Forderung von Experten auf der Tagung "Demenz und Sterbebegleitun - Was gibt es Neues" des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA). Sterbende Menschen mit Demenz würden besonders häufig falsch behandelt.
Praktiker, Wissenschaftler und Mediziner unterstrichen, dass psychosoziale, spirituelle und medizinische Maßnahmen zu selten koordiniert eingesetzt werden, um Demenzpatienten bei ihrem Sterbeprozess zu begleiten. Das KDA fordert daher, dass die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) nach § 37 SGB V ausgebaut wird.
"Die Versorgung sterbender Menschen mit Demenz stellt Ärzte, Pfleger und Angehörige vor Schwierigkeiten. Der Sterbeprozess vollzieht sich bei Menschen mit Demenz graduell, ist kaum vom allgemeinen altersbedingten Abbau zu unterscheiden. Akte Verwirrtheit beispielsweise kann ein Anzeichen für Schmerz sein, wird aber leicht mit den Symptomen von Demenz verwechselt. Dadurch werden die Schmerzen sterbender Menschen oft nicht erkannt und nicht behandelt", erläuterten die Experten vom KDA.
"Zudem sind Angehörige immer wieder mit der Situation überfordert und rufen einen Notarzt oder weisen den Bewohner eines Alten- und Pflegeheims ins Krankenhaus ein. Diese Maßnahmen sind oft unnötig. Noch dazu stellen sie gerade für Menschen mit Demenz eine große Belastung dar, die Patienten reagieren oft mit akuter Verwirrtheit", sagte Gerlinde Strunk-Richter, Leiterin des Bereichs Demenz im KDA.
Viele der Probleme könnten gelindert werden, indem Ärzte, Pfleger und pflegende Angehörige durch Maßnahmen der SAPV unterstützt würden. Derzeit könnten keine genauen Angaben zur Anzahl existierender SAPV-Verträge gemacht werden. Praxisberichte legen nahe, dass die Situation von Bundesland zu Bundesland variiert. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel gibt es aktuell acht Pallitativ Care Teams für Erwachsene und vier für Kinder und Jugendliche.
Das KDA fordert, dass entsprechende Verträge flächendeckend abgeschlossen und realisiert werden. Auch die geriatrische Versorgung von Hochaltrigen und von Menschen mit Demenz müsse die Maßnahmen eingebunden werden, so Strunk-Richter. Hier sollten Möglichkeiten im Rahmen der integrierten Versorgung nach § 140a-d SGB V geprüft werden.
In Deutschland leben etwa 1,3 Millionen Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind. Laut Prognosen wird sich die Anzahl der erkrankten Personen bis 2050 verdoppeln. Immer häufiger erreichen dabei Menschen auch ein fortgeschrittenes Stadium der Demenz. "Altenheime, Hospize, Krankenhäuser und ambulante Pflegedienste benötigen deshalb zunehmend Konzepte zur Begleitung und Pflege von Menschen mit Demenz in ihrer letzten Lebensphase um ihnen ein selbstbestimmtes und würdevolles Sterben zu ermöglichen", so das KDA.